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Rede v. Peter Zanoni    Stockholm 28.06.2006

Mein Name ist Peter Zanoni, ich komme aus Wien und betreibe dort seit 1993 ein Poker-Casino mit dem Namen Concord Card Casino. 

Ich freue mich und ich fühle mich sehr geehrt heute hier bei Ihnen sein zu können.

Ich möchte mich beim Veranstalter des „World Poker Congresses“ herzlich bedanken für das Zustandekommen dieser besonderen Veranstaltung und für die Möglichkeit hier vor Ihnen zu sprechen.

Ich spreche zu Ihnen nicht als Geschäftsführer eines Poker-Casinos sondern in meiner Eigenschaft als Obmann der European Poker Sports Association. Worum es sich dabei handelt, das möchte ich Ihnen im Zuge meines Vortrages darstellen.

Vielleicht ganz kurz noch: ich bitte Sie mein nicht perfektes Englisch zu entschuldigen.

Meine Damen und Herren!

Vor wenigen Wochen habe ich einen PokerSport Verein gegründet und zwei PokerSport Verbände.

  • Den 1.Vienna Sport Poker Club
  • Die Austrian Poker Sports Association und
  • Die European Poker Sports Association.


Warum habe ich das gemacht?

Lassen Sie mich dazu ein wenig aus meiner 13-jährigen Erfahrung erzählen.

Als wir vor 13 Jahren in Wien eröffnet haben, haben wir das völlig legal nach den österreichischen Gesetzen getan. Was aber ist gleich nach der Eröffnung geschehen?

Es hat sogleich in allen Medien ­– angezettelt vom Glücksspielmonopol – eine Hetzjagt auf uns begonnen. Wir wurden als Unterwelt diffamiert, als Mafia, alle möglichen Behörden und Gerichte wurden gegen uns mobilisiert. Parallel dazu versuchte man klammheimlich im Parlament das Glücksspielmonopol so zu ändern, damit das Pokern fortan unter das Glücksspielmonopol-Gesetz fallen würde.

Das wäre auch beinahe geglückt und wir konnten es nur mit äußerster Anstrengung verhindern. Sie müssen sich vorstellen, so eine Änderung des Glückspielmonopolgesetzes ist in Österreich eine einfache Sache. Das alte österreichische Glücksspielmonopol hat jahrzehnte lange Kontakte zu den politischen Parteien, kein Parteimagazin ohne Glücksspielwerbung, Lotto, Wetten, Roulett, Automaten.

Im konkreten Fall hat das Glücksspielmonopol damals lediglich mit zwei Abgeordneten sprechen müssen. Mit dem Finanzsprecher der einen und mit dem Finanzsprecher der anderen Regierungspartei. Sie wurden kopflos gemacht mit den Schlagworten „Unterwelt“, „Mafia“, „Ordnungspolitik“, „Gefahr in Verzug“. Daraufhin wurde innerhalb von wenigen Tagen im Nationalrat ein Initiativantrag zur Änderung des Glückspielmonopolgesetzes eingebracht.

Diese Gesetzesänderung sollte im kurz darauf folgenden Finanzausschuss des Österreichischen Parlaments mit vielen kleinen anderen fiskalpolitischen Gesetzesänderungen ganz unauffällig beschlossen werden – keiner der vielen Mitglieder des Finanzausschusses frägt normalerweise bei einer solchen unauffälligen Gesetzesänderung nach. Die Vorschläge der Finanzsprecher der Parteien werden angenommen an das Plenum weitergeleitet, wo sie in der nächsten Sitzung des Nationalrates völlig unbemerkt von den Abgeordneten und der Öffentlichkeit beschlossen werden. Und schon hat man aus nach den Gesetzen handelnden Staatsbürgern Kriminelle gemacht.

Wir konnten damals diesen Akt des eingespielten Monopolsystems verhindern, deshalb gibt es das Concord Card Casino noch heute und in Österreich eine blühende Pokerlandschaft, manchmal muss man aber leider auch von Wildwuchs sprechen.

Wildwuchs. Ja, es gibt in der österreichischen und europäischen Pokerlandschaft durchaus auch Wildwuchs. In unserem Windschatten haben viele Poker-Casinos aufgesperrt, viele mit nur ein paar Tischen, man kann bei manchen vielleicht auch „Hinterzimmer“ sagen.

Wildwuchs ist aber das Schlechteste, was uns passieren kann. Es schadet dem Ruf des Spiels und dem Ruf der Spieler, es schadet unser aller Ruf. Es ist nicht gut, wenn in jedem Casino nach anderen Regeln gearbeitet wird, wer soll sich da noch auskennen? Deshalb wäre es gut, wenn wir uns auf gemeinsame Normen in Österreich, in Europa und und in der Welt einigen könnten.

Das ist einer der Gründe warum ich die Austrian Poker Sports Association gegründet habe. Sie ist der Dachverband aller SportPokerVereine in Österreich. Jeder Verein, der diesem Dachverband angehören möchte, hat nach den Regeln und Normen der APSA zu handeln und verpflichtet sich auch dazu.

Sie müssen sich die APSA in etwa so vorstellen, wie ihren Nationalen Fußball-Verband oder Ski-Verband. Aus der gemeinsamen Kraft aller SportPokerVereine wird die APSA die Interessen des Pokersports in Österreich wahren.

Was sind das für Interessen?

Allen voran natürlich die politische Arbeit, damit es endlich zu klaren Gesetzen kommt, an denen man sich orientieren kann. Es braucht verlässliche Normen und Standards und die lassen sich nur durch politische Aufklärungsarbeit durchsetzen. Man kann auch Lobbying sagen.

Ein sehr wichtiger Punkt wird sein, das Bild über das Pokern in der Öffentlichkeit zu ändern. Pokern wird tatsächlich noch immer so gesehen, wie wir es von John Wayne kennen. Und viele in unseren Ländern haben gar kein Interesse daran, dass sich dieses Bild ändert. Dem müssen wir gegensteuern. In Österreich macht das eben seit diesem Jahr die APSA.

Und wir haben auch schon erste Erfolge erzielt. Wir hatten in Österreichs zweitgrößter Tageszeitung eine ganze Seite Berichterstattung über unsere vergangene Austrian Poker Sports Championship. Eine ganze Seite im Sportteil dieser Zeitung. So ist es uns gelungen, in Österreich das Pokern auf die Ebene des Sports zu bringen. Und Sie werden nicht glauben, wie viele Leute um vieles lieber Pokern, wenn es tatsächlich als Sport gilt und ganze weit weg ist vom Geruch eines Glücksspiels.

Wie etwa im Fußball, so organisiert die APSA den Pokersport in Österreich. Es gibt die Staatsmeisterschaften, Landesmeisterschaften, Bezirksmeisterschafen, es gibt die Ranglisten. Es wird nach den Normen der APSA gespielt, einheitliche Normen für jede Pokervariante, einheitliche Normen für die Dealer. Die APSA stellt die „Schiedsrichter“ zur Verfügung.

Sie stellt jedem, der einen Pokersport Verein Gründen möchte das Knowhow zur Verfügung, wie ein Sportverein gegründet werden kann und hilft dann beim Aufbau des Vereins. Weitere Pokersportvereine in Österreich sind in Gründung, bald werden wir eine Liga spielen.

Und vor allem, die APSA stellt das gesamte knowhow zur Verfügung, das wir im Concord Card Casino in den vergangen 13 Jahren gesammelt haben. Da geht es vor allem um Rechtshilfe für alle APSA Mitglieder. Alle unsere Urteile, alle Argumente, mit denen wir überzeugen konnten – alles was wir an unbezahlbarem Material aus unseren juristischen Schlachten haben stellen wir zur Verfügung.

Warum machen wir das? Warum geben wir den Großteil unseres Wettbewerb-Vorteils ab?  Ganz einfach, weil es für den Pokersport und für uns alle besser ist, wenn wir an einem gemeinsamen Strang ziehen.

Aber was hilft es, wenn wir in Österreich nach einheitlichen Gesetzes-, Spiel- und Turnierstandards streben, aber sobald man nach Tschechien, Ungarn oder Deutschland fährt ist alles anders. Womöglich macht mach sich, ohne es zu wissen in einem  Land sogar strafbar?

Deshalb brauchen wir eine europäische Dimension. Und deshalb habe ich die EPSA gegründet, die European Poker Sports Association. Sie soll das, was die APSA in Österreich macht, für Europa tun. Lobbying in Brüssel betreibt für europaweit einheitliche Gesetze, Öffentlichkeitsarbeit, europäische Turniere, denken sie an die Campionsleague.

Die erste große Aufgabe der EPSA wird sein, den Nachweis zu führen, dass Pokern tatsächlich Sport ist.

Warum ist dieser Nachweis so wichtig?

Erstens, weil bisher weltweit in allen Studien und Gutachten lediglich die Kartenmathematik betrachtet wurde. Niemand hat die Fähigkeiten, die weit über die Kartenmathematik hinausgehen beleuchtet. Das sind insbesondere psychologische, strategische und geistige Fähigkeiten.  

Zweitens: Weil die bisher bei Gericht vorgelegten Gutachten sowohl vom Glückspiel als auch Geschicklichkeitsspiel sprechen und die Richter nicht in der Lage sind, die unterschiedlichen Gutachten und deren Ausssagen richtig zu bewerten. Wir wollen eine empirische Studie, die jeder Richter in jedem Land verstehen kann und nach der er Urteilen kann, dass es sich bei Poker tatsächlich um Sport handelt.

Die EPSA wird diese Studie vorlegen, die empirisch beweist, dass bei Poker nicht Glück und Zufall überwiegen, sondern die erlernten Fähigkeiten überwiegen.

Wie wollen wir das machen?

Wir werden eine ganze Cashgame-Serie an zwei Tischen spielen lassen. Und zwar jeweils zwei Profis aus den ersten 15 der Weltrangliste, jeweils zwei geübte Spieler und 2 Anfänger spielen an einem Tisch. Nach ca. 5000 Spielen ist die zufällige Verteilung der Karten so ausgeglichen, dass allen Spielern gute, schlechte und mittlere Karten im gleichen Verhältnis zugeteilt wurden. Der Kontostand am Ende des Spieles wird uns verraten, ob Glück und Zufall entscheidend sind oder Fähigkeiten. Der ganze Versuch wird videoaufgezeichnet und von einem Notar überwacht.  Das Geld für diesen Versuch, der mit einer holländischen Universität vorbesprochen ist, soll von der EPSA kommen.

Das Ergebnis wird zeigen, dass wie bei jedem anderen Sport am Ende die besten Spieler vorne sind die weniger trainierten Spieler hinten sind. In der einen oder anderen Runde mag ein schwächerer Spieler durchaus einen starken Spieler schlagen, wie es auch beim Skifahren Überraschungssieger gibt, aber am Ende des Weltcups sind die bekannten Namen vorne zu lesen und so ist es auch beim Pokersport.

Die EPSA wird dieses Ergebnis dann  allen Landesverbänden in der jeweiligen Landessprache zur Verfügung stellen.

Ich möchte Sie nun aufrufen, dass Sie nach dem Vorbild der APSA in Ihren Heimatländern einen Pokersport Dachverband gründen, dass dieser Dachverband sich um den Aufbau von Pokersportvereinen bemüht und dass dieser Dachverband der EPSA beitritt für die gesamteuropäischen Aufgaben.

Die EPSA ist ein nicht auf Gewinn ausgerichteter Verein. Die EPSA ist kein vorgefertigtes Produkt, zu dem Sie ja oder nein sagen können. Die EPSA ist gegründet, damit ein erster Schritt getan ist. Aber die EPSA ist noch eine Hülle. Sie hat zwar Statuten, auch in englischer Sprache liegen sie vor, aber sie hat noch keinen Vorstand, noch keine Gremien. Es ist auch noch nicht geregelt, in welcher Höhe z.B. Mitgliedsbeiträge eingehoben werden.

Wem diese von mir hier vorgetragene Vision gefällt,  und wer sich von Ihnen denkt, er könne einen Betrag zur EPSA als aktiver Vorstand leisten, ist von mir hier heute herzlich eingeladen, an der ersten Generalversammlung teilzunehmen und mit mir und anderen gemeinsam den Vorstand für die ersten 4 Jahre zu bestellen.

Für erste Gespräche stehe ich heute im Anschluss an diese Veranstaltung zur Verfügung. Ich würde sagen ab 19:30 im Congress Hotel Best Western Wallin.

Zuletzt: Wenn es eine EPSA gibt, dann sollte es auch eine World Poker Sports Association geben. Ich denke das wäre eine Aufgabe, die in den USA sehr gut aufgehoben wäre. Die EPSA würde dann diesem Weltverband beitreten.

Und unser ganz großes EPSA-Ziel: wir wollen Pokern zur olympischen Disziplin machen.

 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.